Ein Accessoire mit Geschichte
Seine erste Erwähnung fand der Stockschirm bereits 3.000 Jahre vor Christus. Im alten Ägypten diente er zunächst hauptsächlich als Status-Symbol. Dabei verhielt sich die Höhe der Schirmstange proportional zum gesellschaftlichen Rang des Beschirmten; das hieß, je weiter sie gen Himmel ragte, desto mächtiger war der darunter befindliche Herrscher.
Erst gute zwei Jahrtausende später erfüllten Schirme zunehmend Schutzaufgaben und gingen in Privatgebrauch über. Reiche Griechinnen ließen ihre kunstvoll frisierten Häupter durch an Stäben befestigten und von Sklaven gehaltenen Tüchern beschatten.
In China benutzte man faltbare, mit Ölpapier bespannte Bambusgestänge, die auch kurze Wassergüsse überstanden und aus dem bisherigen Sonnen- einen zeitweisen Regenschirm machten. Diese Funktion wurde ab dem späten 17. Jahrhundert auch in Europa explizit erwähnt und blieb lange unangetastet.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ man dem mittlerweile üblichen Gegenstand einen weiteren Nutzen angedeihen: seine nunmehr aus Metall gefertigte Spitze sollte als Blitzableiter dienen. Man mag von Glück reden, dass sich solche physikalischen Spielereien nicht auf freiem Feld durchsetzten, sondern ausschließlich in Städten praktiziert wurden.
In solcher Umgebung begannen die Damen, den Stockschirm zunehmend als modisches Beiwerk zu missbrauchen: aus feinster Spitze gefertigt oder mit hübschen Motiven versehen wurde er bald nur noch zum Kokettieren benutzt. In der Herrenmode behielt er die ihm zugedachte Schutzaufgabe und entwickelte sich zum galanten Heimbringer. Als steter Begleiter ergatterte er in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ sogar eine Filmrolle.
Während der optisch anstrengenden 1980-er Jahre galt es, den Stockschirm an einer Kordel um den Oberkörper hängend zu tragen. Das war zwar weder praktisch noch schön, aber meist auffallend bunt.
Heute sind Stockschirme vor allem eins: groß! In Zeiten regenfester Multifunktionskleidung, geschmackssicherer Allwettermäntel und auf Kleinstmaße faltbarer Taschenschirme dienen sie flächen(ab)deckenden Einsätzen für Golfer, Angler und Portiers bzw. als weithin sichtbares Zeichen voranstürmender Fremdenführer oder als aufmerksamkeitsheischende Werbeträger.